Pressemitteilungen

Pressemeldungen des Deutschen Tierschutzbundes



Kükentötung ... und SELEGGT-Methode

17.04.2019

Kommentar

Aktuellen Medienberichten zufolge geht Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner von einem baldigen Ende des Kükentötens aus, da bereits Eier verkauft werden, die mit der endokrinologischen „SELEGGT-Methode“ auf das Geschlecht überprüft wurden. Somit bestehe eine Alternative zur Tötung der bereits geschlüpften männlichen Küken, womit automatisch ein Verbot gemäß Tierschutzgesetz greife. Dazu kommentiert Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes:

„Die Geschlechtsbestimmung im Ei ist als kurzfristige Lösung zur Vermeidung des Kükentötens akzeptabel, sofern ein Schmerzempfinden des Embryos sicher ausgeschlossen werden kann. Das ist bei der von Frau Klöckner viel gepriesenen endokrinologischen SELEGGT-Methode aber nicht der Fall, da die Eier zuvor bereits acht bis zehn Tage bebrütet werden. Wenn das Küken im Ei dann tatsächlich Schmerzen empfindet, macht es keinen großen Unterschied, ob es vor oder nach dem Schlupf getötet wird. Daher sollten alle Bemühungen stattdessen darauf ausgerichtet werden, die spektroskopische Geschlechtererkennung im Ei voranzubringen und diese Methode, die bereits früher - am vierten Bruttag - angewandt werden kann, zügig zur Serienreife zu bringen.

Klar muss aber auch sein: Die Geschlechtsbestimmung im Ei ist nur eine technische „Lösung“, die das grundsätzliche Problem, nämlich die extrem spezialisierte Zucht auf Lege- bzw. Mastleistung bei den Hühnern, nicht löst. Als einzige langfristige Lösung kommt daher nur eine Rückkehr zu Zweinutzungshühnern in Frage.“

Tierschutz im Osternest

15.04.2019

Bei gekochten bunten Ostereier besteht keine Kennzeichnungspflicht: Die Haltungsform der Hühner bleibt für den Verbraucher unklar.

Während das Osterfest eng mit gelben, flauschigen Küken verknüpft ist, sieht das tatsächliche Leben dieser Tiere fernab der schönen Symbolik ganz anders aus – darauf macht der Deutsche Tierschutzbund aufmerksam. Legehennen leiden teils noch immer in engen Käfigen, männliche Küken werden getötet, weil sie wirtschaftlich „wertlos“ sind. Der Deutsche Tierschutzbund gibt daher Tipps für alle, die Ostern tierfreundlich gestalten möchten und verweist auf die wachsende Auswahl pflanzlicher Alternativen.

„Wer Ostern als „Fest des Lebens“ tierfreundlich feiern will, sollte auf pflanzliche Alternativen zurückgreifen“, sagt Verena Jungbluth, Leitung Veganismus beim Deutschen Tierschutzbund. „Diese sind mittlerweile nicht nur in den zahlreichen Bio-Läden, sondern auch im Supermarkt um die Ecke zu finden.“ Wer auf Eier dennoch nicht verzichten möchte, sollte zumindest solche mit dem Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes oder aus Bio-Haltung kaufen. Vorsicht ist bei bereits gefärbten oder verarbeiteten Eiern geboten, denn dort besteht keine Kennzeichnungspflicht. Für den Verbraucher ist also nicht ersichtlich, aus welcher Tierhaltung die Eier stammen.

Tierschutzwidrige Zustände in der Hühnerhaltung

Während die Menschen zu Ostern Eier färben, Rührei zum Frühstück und Hefezopf zum Kaffee essen, schlüpfen die Küken in Brutschränken und wachsen ohne ihre Mutter auf. Männliche Küken der Legehennen-Rasse werden noch immer am ersten Lebenstag getötet, weil sie keine Eier legen und kaum Fleisch ansetzen. Legehennen leben teils noch in Kleingruppenkäfighaltung. Knapp sieben Prozent der in Deutschland produzierten Eier stammen aus dieser Haltungsform, hinzu kommen importierte Käfigeier aus dem Ausland. Die Tiere haben dort nur etwas mehr Platz als eine DIN-A4-Seite. In der drangvollen Enge können sich die Hennen kaum bewegen. Die auf Hochleistung gezüchteten Tiere sind zudem nach etwa anderthalb Jahren Eier legen so ausgelaugt, dass sie geschlachtet werden und nur noch als Suppenhühner verkauft oder zu Tierfutter verarbeitet werden können. Damit bleiben sie weit hinter der natürlichen Lebenserwartung von circa zehn Jahre zurück.

Tierfreundliche Oster-Leckereien

Beim österlichen Backen lässt sich Ei einfach durch Banane, Apfelmus oder Sojamehl ersetzen. Und selbst ein herzhafter Ei-Geschmack kann mit etwas Kala Namak, einem schwefelhaltigen Salz, tierfreundlich genossen werden – zum Beispiel in Form eines Rühr-Tofu. Im Osternest finden dunkle Schokolade, Marzipan, Nougat, aber auch zahlreiche Schokoladensorten auf Basis von Pflanzendrink Platz. Inspiration für die Kaffeetafel oder das Ostermenü findet man in unzähligen Rezepten im Internet und in Kochbüchern, wie „Tierschutz genießen“ – dem veganen Kochbuch des Deutschen Tierschutzbundes.

Staatliches Tierwohlkennzeichen - Frau Klöckner, das reicht noch lange nicht!

06.02.2019

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat heute die Kriterien des von ihr geplanten freiwilligen staatlichen Tierwohlkennzeichens präsentiert. Dazu kommentiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes:

„Wer glaubt, mit einem staatlichen Tierwohlkennzeichen nun genug getan zu haben, der irrt gewaltig. Der Grundfehler bleibt, dass die Ministerin weiter auf Freiwilligkeit setzt, die große Mehrheit der Schweine bleibt damit auf der Strecke. Nach einer mittlerweile dreijährigen, intensiven Diskussion über die Ausgestaltung eines Kennzeichens enttäuscht das heute vorgelegte Ergebnis auf ganzer Linie. Die 1. Stufe, so wie sie heute vorgestellt wurde, ist eine Verbrauchertäuschung; den Beinamen „Tierwohl“ hat sie nicht verdient. Wer ehrgeizig mehr Tierwohl schaffen will, muss sichtbar mehr tun als das, was heute auf dem Tisch liegt.“

Schröder weiter: „Die Kriterien in der 1. Stufe liegen, wenn überhaupt, nur knapp über dem gesetzlichen Standard. Die Aussage, man habe „20 Prozent mehr Platz schon in der 1. Stufe geschaffen“ hat PR-Charakter, aber für den Tierschutz keinen Effekt. Schweine mit unversehrten Schwänzen zum Beispiel benötigen nach aller wissenschaftlichen und praktischen Erfahrung deutlich mehr als 20 Prozent Platz. Auch um Buchten sinnvoll zu strukturieren braucht es mehr Platz. “

Rahmenbedingungen bleiben unklar
„Weiter muss klar sein, dass ein Kennzeichen nicht nur von aufgehübscht formulierten Kriterien lebt, sondern dass es sich klar gegenüber dem gesetzlichen Standard abgrenzen muss. Es muss sich auch daran bemessen lassen, ob es Bewegung in die Systeme bringt. Dazu ist eine progressive Förderung mit massiv mehr Mitteln als bisher essentiell. Bis heute hat Frau Klöckner nichts dazu vorgelegt, wie hoch die Fördermittel sein sollen, aus welchen Töpfen diese kommen und wie sie angewendet werden sollen. Auch fehlen die Antworten auf weitere Fragen, etwa wie Kontrollen gestaltet werden und wer Lizenzen vergibt. Nicht zuletzt fehlt eine grundsätzliche Marschrichtung im Rahmen einer laut Koalitionsvertrag geplanten Nutztierstrategie. Was heute vorgelegt wurde, ist Stückwerk. Von einem schlüssigen politischen Gesamtkonzept keine Spur. Die vorrangige Aufgabe des Gesetzgebers Bundestag und der Bundesregierung ist es, das Ordnungsrecht auf das von der Gesellschaft erwartete Niveau zu bringen.“

Gesetzliche Vorgaben sind ungenügend
„Zudem ist die gesetzliche Basis derzeit ungenügend und unklar und bedarf dringender Nachbesserung – das gilt im Besonderen für die Schweinehaltung. Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung ist in einem zentralen Bereich, bei der Kastenstandhaltung von Sauen, von einem Gericht bemängelt worden. Das Land Berlin hat eine Normenkontrollklage zur Schweinehaltung eingereicht. Damit ist völlig unklar, wie das Ordnungsrecht in Zukunft aussehen wird. Damit ist es auch unverantwortlich, jetzt ein Tierwohlkennzeichen zu etablieren, das sich über den Abstand zum Gesetz rechtfertigen will. Da verwundert es auch nicht, dass immer mehr Landwirte verunsichert sind, weil sie immer noch nicht verlässlich wissen, wo sie investieren sollen.“

Augen auf im Schlussverkauf - Hinter Kunstfell kann echter Pelz stecken

28.01.2019

Zum Start des Winterschlussverkaufs und bei den derzeit eisigen Temperaturen stehen Jacken und Mützen mit Fellapplikation wieder hoch im Kurs. Der Deutsche Tierschutzbund, der sich aktuell mit seiner Anti-Pelz-Kampagne #MeinStyleIstPelzfrei für tierfreundliche Mode einsetzt, appelliert jedoch an potentielle Käufer, bei solchen Waren ganz genau hinzuschauen. Denn bei vermeintlichem Kunstfell handelt es sich oft um Echtpelz. Unterstützung erhält der Verband bei seiner Kampagne und seiner Botschaft von Prominenten und Instagram-Influencern.

„Echtfell ist zum Teil genauso billig herzustellen wie Kunstfell und wird den Käufern oft ohne es zu wissen untergejubelt“, erklärt Dr. Henriette Mackensen, Expertin für Pelz beim Deutschen Tierschutzbund. „Das wird auch dadurch möglich, dass eine Kennzeichnung im Etikett häufig nicht vorhanden oder falsch ist. Für Tierfreunde wäre es daher sicherer, komplett auf Textilien mit Fellbesatz zu verzichten.“

Über die Hälfte ihrer Umsätze macht die europäische Pelzindustrie mit Fell-Accessoires, wie Bommeln an Mützen oder Pelzkragen an Jacken. An den grausamen Methoden der Jagd und Haltung von Pelztieren hat sich dabei nichts geändert. Nach wie vor werden jährlich weltweit Millionen Tiere für Pelzmode getötet. Mit der Kampagne #MeinStyleIstPelzfrei will der Deutsche Tierschutzbund daher möglichst viele, insbesondere junge Menschen für Mode ohne Pelz begeistern.

Prominente Unterstützung für tierfreundliche Mode

Unterstützt werden die Tierschützer von Prominenten und Instagram-Influencern. Hennes Bender, Mark Benecke, Tanja Cruz, Jennifer Fischer, Harry G, Muriel Leonie Graf, Janine Jahnke, Henning Krautmacher, Nina Ruge, Barbara Rütting, Simone Sombecki und Andrea Volk haben die Kampagne #MeinStyleIstPelzfrei bisher schon mit eigenen Fotos, Storys oder Videos publik gemacht.

Tierfreunde, die sich dafür einsetzen möchten, dass Tiere nicht für einen unnötigen Trend leiden müssen, können sich ebenfalls an der Kampagne beteiligen. Dafür ruft der Deutsche Tierschutzbund dazu auf, Fotos oder Videos mit dem Hashtag #MeinStyleIstPelzfrei in Bild und Text auf den eigenen Social-Media-Kanälen zu teilen und so allen zu zeigen, dass man sich für einen Style ohne Tierleid ausspricht. Interessierte finden alle Infos dazu auf www.tierschutzbund.de/pelzfrei.

Wie Hund, Katze und Co. stressfrei ins neue Jahr kommen

18.12.2018

Katzen und andere Haustiere brauchen an Silvester einen Rückzugsort, an dem sie sich sicher fühlen. © Deutscher Tierschutzbund e.V. / Ehrhardt

Das traditionelle Vertreiben von bösen Geistern mit Raketen und Böllern zum Jahreswechsel ist für viele Haustiere mit Stress verbunden. Wegen ihres sensiblen Gehörs leiden Tiere, vor allem Hunde und Katzen, besonders unter dem Feuerwerk. Tierhalter sollten deswegen schon einige Tage vor Silvester Vorkehrungen treffen, um den Jahreswechsel für ihren tierischen Liebling möglichst angenehm zu gestalten.

Am Silvesterabend selbst sollte die Wohnung ein ruhiger Rückzugsort sein. Fenster, Türen und nach Möglichkeit auch die Rollos sollten geschlossen sein, damit der Lärm und die Lichtblitze möglichst gedämpft werden. Ein ruhiger Rückzugsort für Katzen und Hunde gibt den Tieren ein Gefühl von Sicherheit. Dieses Gefühl wird noch verstärkt, wenn die vertrauten Bezugspersonen den Jahreswechsel mit ihren Vierbeinern verbringen und mit diesen bewusst ruhig und entspannt umgehen. Halter von Kleintieren und Vögeln sollten Gehege und Volieren in einem möglichst ruhigen Raum und mit einiger Entfernung zum Fenster unterbringen und sie mit einem Tuch zu den Seiten hin abdecken. Außengehege sollten abgeschirmt und gegen einfallende Feuerwerkskörper gesichert sein.

Kennzeichnung und Registrierung geben Sicherheit
Durch den ungewohnten Lärm kommt es immer wieder vor, dass Katzen und Hunde in Panik weglaufen und nicht zurück finden. Daher sollten Tierhalter unbedingt darauf achten, dass ihr Tier gekennzeichnet und bei FINDEFIX, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, registriert ist. Nur so können Vierbeiner und Halter im Fall der Fälle schnell wieder zusammengeführt werden. Hundebesitzer sollten ihre Tiere an den Tagen rund um Silvester beim Gassigehen sicherheitshalber angeleint lassen. Katzen mit Freigang verbringen Silvester am besten im Haus.

Rücksicht auf Wild- und Bauernhoftiere nehmen
Auch Menschen, die selbst keinen Vierbeiner beherbergen, sollten Rücksicht auf die Tiere in ihrer Umgebung nehmen. Böllern in der Nähe von Waldrändern, auf Waldlichtungen, in Parkanlagen oder Höfen mit Tierhaltung sollte deswegen tabu sein: Denn scheue Wildtiere in Wald und Flur reagieren besonders sensibel auf laute Geräusche. Auch bei Pferden und Rindern auf der Weide besteht die Gefahr, dass sie in Panik geraten und ausbrechen.

Ferkelkastration: Ökonomie ist alles, Tierschutz bedeutet nichts

Kommentar

30.11.2018

Mit Mehrheit der Abgeordneten der CDU, CSU, SPD und der AfD wurde gestern im Deutschen Bundestag entschieden, die Qualen der betäubungslosen Ferkelkastration um weitere zwei Jahre zu verlängern. Mit scharfer Kritik und der Hoffnung, dass nun eine Landesregierung das Instrument der Normenkontrollklage gegen die Entscheidung anwendet, reagiert der Deutsche Tierschutzbund. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, kommentiert:

„Wir danken den aufrechten Tierfreunden, die im Bundestag gegen den Antrag gestimmt haben. Leider aber hat eine Mehrheit von Abgeordneten aus CDU, CSU und SPD anders entschieden: Für das Streben nach größtmöglichem ökonomischem Vorteil müssen nun die Ferkel büßen; das Staatsziel Tierschutz wird mit Füßen getreten. Dass von Seiten der CDU-, CSU- und SPD-Fraktionsspitzen versucht wurde, diese Schande mit allgemeinen Erklärungen zu Tierschutzzielen der Regierung, wie im Entschließungsantrag aufgelistet, hübscher aussehen zu lassen, ändert daran nichts.

Die Mehrheit aus CDU, CSU und SPD ist heute einen offenen Pakt mit der Agrarindustrie eingegangen, der sehr stark an Strukturen bandenmäßig, organisierter Wirtschaftskriminalität erinnert. Keine andere Branche darf es sich erlauben, gesetzliche Fristen so offen und angekündigt zu ignorieren, gesellschaftlichen Mehrheitswillen so gnadenlos zu untergraben. Gesetzgeber und Bundesregierung, in Kumpanei mit Landesregierungen, zeigen sich devot. Die Lobby ruft, die Koalitionäre schlagen die Hacken zusammen. Das wird nachwirken, dauerhaft. Das gilt für alle weiteren Fragen, die derzeit auf der Agenda stehen, vom Tierwohllabel über die Kastenstand-Frage bis hin zur Kükentötung. Wir können nur hoffen, dass eine Landesregierung eine Normenkontrollklage gegen diese Entscheidung zur Ferkelkastration einreicht - das ist der einzige rechtliche Weg, der bleibt. Und es ist die letzte Hoffnung darauf, dass Mitgeschöpflichkeit und ein Staatsziel in unserem Land noch Bedeutung haben.

Immerhin: Die Lokalanästhesie, der so genannte „vierte Weg“, ist vom Tisch. Da haben sich der Deutsche Bauernverband und seine Funktionäre als Abgeordnete im Deutschen Bundestag, die ihr Mandat nur als Erfüllungsgehilfen der ökonomischen Interessen verstehen, verkalkuliert. Und statt fünf Jahren Verlängerung sind es zwei. Nichtsdestotrotz sind es zwei Jahre zu viel, voller Qual für die Ferkel, und es bleibt die Unruhe, wie sicher diese neue Frist am Ende ist. Auf die politischen Zusagen vertrauen wir nicht mehr; wir kämpfen weiter!“

Illegaler Welpenhandel reißt nicht ab

12.11.2018

Der illegale Welpenhandel geht auf Kosten der Tiere – darüber informiert der Deutsche Tierschutzbund mit einer Kampagne.

Deutscher Tierschutzbund veröffentlicht Datenauswertung für 2017

Im Jahr 2017 war die Anzahl der Fälle von illegalem Heimtierhandel in Deutschland doppelt so hoch wie in den Jahren zuvor. Das zeigt eine nun veröffentlichte Auswertung, in welcher der Deutsche Tierschutzbund Fälle untersucht hat, die durch Medienberichte oder durch die betroffenen Tierheime bekannt wurden. Insbesondere die zu früh von der Mutter getrennten, kranken Hundewelpen bringen die Tierheime, die bei der Notunterbringung für die Behörden einspringen, immer noch an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

„Das Bedürfnis der Menschen nach einem Rassehundwelpen und gleichzeitig die Gier, dafür möglichst wenig Geld auszugeben, bieten Händlern einen idealen Absatzmarkt in Deutschland“, sagt Andrea Furler-Mihali, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. „Dabei bestimmt die Nachfrage das Angebot. Jedem potentiellen Käufer sollte klar sein, dass er die kriminellen Machenschaften von Vermehrern und Händlern unterstützt, die skrupellos erhebliches Tierleid in Kauf nehmen und die Gesundheit von Tieren – aber auch von Menschen – durch den Import von kranken Tieren gefährden.

“107 Fälle von illegalem Heimtierhandel wurden 2017 bekannt – und damit deutlich mehr als in den Vorjahren (2016: 59 Fälle, 2015: 36 Fälle, 2014: 54 Fälle). Dabei bleibt jedoch unklar, ob generell mehr Tiere transportiert wurden oder ob vermehrte Grenzkontrollen und eine stärkere Sensibilisierung der Behörden zu einer höheren Aufdeckungsrate führten. Während bei den aufgedeckten Fällen die Anzahl der transportierten Hunde zwar leicht schwankte (2017: 641 Hunde, 2016: 550 Hunde, 2015: 422 Hunde, 2014:858 Hunde), sorgten 2017 zwei besonders große Tiertransporte mit Kleintieren, darunter Ratten, Mäuse und Kaninchen, dafür, dass die Gesamtzahl der Tiere auf 11.001 stieg – und damit auf das Zehnfache mehr als in den Vorjahren. Positiv zu sehen ist dabei, dass noch nie so viele der entdeckten Tiere (99,5 Prozent) beschlagnahmt wurden, während nur wenige beim Händler bzw. Fahrer verblieben. Die überwiegende Mehrheit der Tiere kam 2017 erneut aus dem osteuropäischen Raum: Rumänien, gefolgt von Ungarn und Bulgarien gehörten zu den häufigsten Herkunftsländern. Aufgrund der Grenznähe wurde der Großteil (75 Prozent) der Transporte in Bayern aufgedeckt. Wie auch in den Jahren zuvor waren die vorgefundenen Tiere vor allem für den deutschen Markt bestimmt (81 Prozent). Hier findet der Weiterverkauf an Privathalter vor allem über Internetanzeigen statt. In den Fällen, in denen Angaben zur Rasse der betroffenen Hunde gemacht wurden, handelte es sich bei der Mehrzahl (88,6 Prozent) um Rassehunde, angeführt vom Zwergspitz (47 Hunde), Chihuahua (31 Hunde) und American Staffordshire-Bullterrier (28 Hunde), wobei bei letzterem sogar ein Verstoß gegen das Hundeverbringungs- und –einfuhrbeschränkungsgesetz vorliegt.

Transportierte Hunde krank und zu jung

Im Großteil (97 Prozent) der Fälle, bei denen Angaben zum Alter der Hunde gemacht wurden, waren diese zu jung für den Transport – meist gerade einmal acht Wochen oder jünger. Vor der 15. Lebenswoche darf jedoch kein Welpe eine europäische Grenze überschreiten, da vor diesem Zeitpunkt keine gültige Tollwutimpfung gegeben sein kann. Häufigster Grund für die Beschlagnahmung war daher - wie in den Jahren zuvor - ein Verstoß gegen das Tiergesundheitsgesetz aufgrund der fehlenden Tollwutimpfung. Verstöße gegen das Tierschutzgesetz wurden seltener festgehalten, obwohl es dazu sicherlich genügend Anlass gegeben hätte. So zeigen die dokumentierten Fälle, dass 79 Prozent der Hunde in einem schlechten Gesundheitszustand waren und Anzeichen von allgemeiner Erschöpfung, Verwurmung, Ektoparasiten und Durchfallerkrankungen aufwiesen.

Tierheime kommen an ihre Grenzen

Die Aufnahme vieler Tiere aus beschlagnahmten Transporten bringt für die Tierheime einen enorm großen personellen und organisatorischen Aufwand. Kranke Hundewelpen müssen aufgepäppelt und zudem ausreichend sozialisiert werden, um möglichen Verhaltensproblemen entgegen zu wirken. Die kranken Tiere verursachen zudem hohe Kosten: Während bei einem normalen Fundhund mit Kosten von circa zwölf bis 15 Euro gerechnet werden muss, kostet ein beschlagnahmter Welpe etwa das Dreifache, durchschnittlich circa 34 Euro pro Tag. Hochgerechnet kommt man für 2017 pro aufgedecktem Fall mit durchschnittlich sechs Hundewelpen auf einen fünfstelligen Gesamtbetrag, der größtenteils von den Tierheimen geschultert werden musste. Denn vielen Tierheimen, die für die zuständigen Behörden einspringen, indem sie die Notunterbringung der Tiere übernehmen, werden die entstandenen Kosten nicht vollständig erstattet. Oder sie werden auf etwaige privatrechtliche Ansprüche an die Züchter im Ausland verwiesen. Diese Ansprüche sind in der Regel nicht durchsetzbar – aus Tierschutzsicht ein nicht akzeptabler Zustand. „Für die Tierheime ist es wichtig, einen Ansprechpartner – etwa das Landratsamt oder das Veterinäramt - zu haben, der sich der Kostenfrage annimmt und die voraussichtlich entstehenden Kosten abdeckt“, so Furler-Mihali.

Internationaler Tag der Katze am 8. August - Tierschutz-Appell an Katzenhalter: #RegistrierDeinTier

06.08.2018

Kampagnenmotiv "Lass Deine Katze nicht einfach verschwinden" mit einer verblassenden Katze.
Mit dem Motiv und dem Slogan „Lass Deine Katze nicht einfach verschwinden.“ macht der Deutsche Tierschutzbund auf die Wichtigkeit der Registrierung aufmerksam.

Zum Internationalen Tag der Katze appelliert der Deutsche Tierschutzbund an alle Katzenhalter, ihre Tiere nach dem Chippen auch registrieren zu lassen. Der Verband hat dazu die Kampagne #RegistrierDeinTier (www.registrier-dein-tier.de) gestartet. Mehr als die Hälfte aller Katzen und Hunde sind derzeit nicht in einem Haustierregister registriert*. Wird ein vermisstes Tier von einem Finder aufgegriffen oder landet im Tierheim, ist es jedoch ohne Registrierung schwierig, den Halter ausfindig zu machen.  

„Insbesondere Besitzer von Katzen kennen die Sorge, wenn ihre Lieblinge nicht wie gewohnt nach Hause kommen. Es kommt leider vor, dass neugierige Katzen in Kleintransporter oder andere Fahrzeuge springen und so unbemerkt kilometerweit transportiert werden. Andere gehen „nur“ auf Wanderschaft, finden aber eventuell nicht von selbst zurück nach Hause“, erklärt Andrea Furler-Mihali, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Die Tierschützer empfehlen daher Katzen zum Schutz mit einem Mikrochip beim Tierarzt kennzeichnen zu lassen und sie im Anschluss bei FINDEFIX, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, zu registrieren.  

Katzen verschwinden am häufigsten
Die Katze ist das beliebteste Haustier der Deutschen. So ist es nicht verwunderlich, dass es sich bei 88 Prozent der Vermisstmeldungen, die beim Haustierregister FINDEFIX eingehen, um vermisste Katzen handelt. Dabei spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass Katzen mit Freigang – anders als Hunde – alleine draußen unterwegs sind. Insbesondere wenn die Katze dann an einem weiter entfernten Ort aufgegriffen wird, ist eine Zuordnung zum Besitzer kaum noch möglich. Kennzeichnung und Registrierung sind hier die einzige Chance. Dabei wird gerade Letztere oft vergessen, da der Halter nach der Kennzeichnung durch den Tierarzt in der Regel selbst dafür verantwortlich ist, die auf dem Mikrochip gespeicherte 15-stellige Nummer mit weiteren Daten zum Tier und dem eigenen Kontakt in einem Haustierregister zu hinterlegen. Dies geht bei FINDEFIX einfach und kostenfrei auf www.findefix.com oder mit einem schriftlichen Anmeldebogen. „Nur die Kombination dieser zwei einfachen Maßnahmen – Kennzeichnung und Registrierung - kann sicherstellen, dass ein entlaufenes Tier und sein Besitzer schnell wieder zusammen finden. Lassen Sie Ihr Tier nicht einfach verschwinden“, appelliert Furler-Mihali.

* Quelle: Umfrage des Bonner Marktforschungsanbieters OmniQuest im Auftrag des Deutschen Tierschutzbundes (2018)

Weltkatzentag - Expertennetzwerk bekräftigt Forderung nach bundesweit einheitlicher Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht

06.08.2018

Am 8. August ist Weltkatzentag. Während an diesem Tag tausende glückliche Tierhalter ihre Samtpfoten mit Fotos und Videos in sozialen Netzwerken feiern, leiden gleichzeitig Millionen frei lebende Katzen, die krank und ausgemergelt auf sich selbst gestellt sind. Dabei ist das ursprüngliche Ziel des Tages, auf das Leid eben dieser Tiere aufmerksam zu machen. Und das ist nach wie vor absolut notwendig. Allein in Deutschland leben Schätzungen zufolge etwa zwei Millionen Katzen auf der Straße. Sie sind in der Regel nicht geimpft, nicht kastriert, krank und abgemagert. Als domestizierte Haustiere schaffen sie es nicht, sich selbst ausreichend zu versorgen. Verschlimmert wird ihr Leid massiv durch ständige Paarung und zahlreiche Geburten. Unter den heimatlosen Katzen sind auch viele Tiere, die einst ein Zuhause hatten, jedoch entlaufen sind. Zumindest diese Tiere wieder mit ihren Familien zu vereinen wäre ein Leichtes: Mit einer bundeseinheitlichen Pflicht zur Kennzeichnung und Registrierung für Katzen.  

Diese Pflicht fordert das vor zwei Jahren gegründete Expertennetzwerk „Kennzeichnung und Registrierung“ (K&R), ein Arbeitskreis bestehend aus den Tierschutzbeauftragten der Länder sowie Experten aus den Bereichen der Tiermedizin, der Transpondertechnologie, der Haustierregister und des Tierschutzes. „Gemeinsam mit der Kastration der Katzen, die einen Halter haben und Freigang erhalten, ist dies das erfolgversprechendste Instrument im Kampf gegen das Katzenelend“, sagt Dr. Hans-Friedrich Willimzik, Landesbeauftragter für Tierschutz des Saarlandes und Leiter des Netzwerks „K&R“. 

Bislang haben zwar über 650 deutsche Städte und Gemeinden sogenannte Katzenschutzverordnungen erlassen, die überwiegende Mehrheit hat allerdings bislang noch keine solche Verordnung eingeführt. Zudem gehen aus Sicht der Tierschützer auch nicht alle Bestimmungen weit genug. Einige Kommunen sehen zwar eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht vor, jedoch nicht die verpflichtende Registrierung der Katzen in einem Haustierregister. Häufig mangelt es auch an Kontrollstrukturen sowie der ausführlichen Information der Bürger über die Verordnung und deren Bedeutung.  

„Was wir dringend brauchen, ist eine bundeseinheitliche Kennzeichnung und Registrierung von Hunden und Katzen. Damit könnten wir Vieles auf einmal erreichen. Entlaufene Tiere könnten wieder an ihre Haltern zurückvermittelt werden und das illegale Aussetzen von Heimtieren könnte effektiv eingedämmt werden“, so Dr. Hans-Friedrich Willimzik. Weiterhin sind erhebliche Verbesserungen, vor allem in den Bereichen Tiergesundheit, Tierschutz, Rechtssicherheit und Vollzug, Verbraucherschutz, öffentliche Gesundheit und Wirtschaftlichkeit zu erwarten. Insbesondere würden durch die schnelle Rückvermittlung von Fundtieren Tierheime und Kommunen deutlich entlastet werden. Willimzik: „Es ist jetzt an der Bundesregierung, diese langjährige Forderung endlich auf den Weg zu bringen.“  

Das Konzept Registerverbund  
In einigen EU-Mitgliedstaaten gibt es bereits Modelle mit mehreren Registern, die in einem einzigen Datenbanksystem miteinander vernetzt sind. Eine solche Lösung wäre laut den Experten des Netzwerks „K&R“ auch eine optimale Lösung für Deutschland. So könnte auf mehr als zehn Millionen bereits registrierte Tiere aus den bestehenden Registern zurückgegriffen werden, ohne diese Daten kostenintensiv und mit hohem administrativem Aufwand erneut zu erheben. Die mit hohen Kosten verbundene Einrichtung und Verwaltung einer neuen Datenbank würde bei einem solchen Modell entfallen. Lediglich die Entwicklung eines Webservices, dem alle Register im Verbund angeschlossen sind, wäre vonnöten. Tierhalter oder Finder von entlaufenen Tieren sowie öffentliche Stellen wie Städte, Gemeinden oder die Polizei könnten nach diesem Modell über individuell angepasste Abfragemöglichkeiten ihre Anfragen stellen. Darüber hinaus wäre ein solches System kompatibel mit einer europaweiten Kennzeichnung von Hunden und Katzen, wie sie vom Europaparlament seit Jahren gefordert wird. 

Das Netzwerk K&R
Das Netzwerk „Kennzeichnung und Registrierung (K&R)“ ist ein interdisziplinärer Arbeitskreis von Experten unter der Leitung des Landesbeauftragten für Tierschutz des Saarlandes, Dr. Hans-Friedrich Willimzik. Ziel ist die Einführung einer Rechtspflicht zur Kennzeichnung und Registrierung für Hunde und Katzen in Deutschland. Bislang ist Deutschland hier Schlusslicht in Europa, zusammen mit vier weiteren Mitgliedstaaten. Die gravierenden Probleme, wie beispielsweise der illegale Welpenhandel, die stetige Zunahme von Straßenkatzen sowie überfüllte Tierheime, können nur mit einer stringenten europaweit und national harmonisierten vollständigen Rückverfolgbarkeit von Tierhaltern und Heimtieren gelöst werden.   Weitere Hintergrundinformationen zur Arbeit und den Mitgliedern des Netzwerks „K&R“ sind auf der Internetseite www.heimtierverantwortung.net zu finden.

Tierversuche: Deutschland verstößt gegen EU-Recht

Beschwerde des Deutschen Tierschutzbundes erfolgreich

30.07.2018

Die EU-Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland auf den Weg gebracht, da die Bundesregierung die EU-Versuchstierrichtlinie nicht korrekt in deutsches Recht umgesetzt hat. Der Deutsche Tierschutzbund selbst hatte aus dem selben Grund – zusammen mit der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht – 2014 und 2015 bei der EU-Kommission Beschwerde eingereicht und dargelegt, dass Deutschland bei der Umsetzung des EU-Rechts in das Tierschutzgesetz und die Tierversuchsverordnung Verschlechterungen zu Lasten der Tiere vorgenommen hat.

„Die gesetzlichen Rahmenbedingungen der EU korrekt umzusetzen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Dass die EU nun ein Vertragsverletzungsverfahren einleiten muss, ist ein Armutszeugnis für Deutschland“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Statt sich wie Frau Klöckner auf den bereits bestehenden Aktivitäten im Bereich Alternativmethoden auszuruhen, sollte die Bundesregierung endlich anerkennen, dass der Status quo nicht ausreicht. Wir fordern die Regierung auf, die kritisierten Mängel umgehend zu beheben. Zusätzlich muss aber eine konkrete Strategie zum Ausstieg aus Tierversuchen her.“

Hintergrund
Die EU-Tierversuchsrichtlinie wurde mit dem überarbeiteten Tierschutzgesetz und der Tierversuchsverordnung, die Mitte 2013 in Kraft getreten sind, in deutsches Recht umgesetzt. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes jedoch völlig unzureichend. Zu diesem Schluss kommt nun auch die EU-Kommission nach umfangreicher Prüfung. Sie führt in ihrer Begründung für das Vertragsverletzungsverfahren vor allem Defizite hinsichtlich der Vorgaben für Inspektionen, für die Sachkunde des Personals und die Anwesenheit von Tierärzten an. Aus Sicht der Tierschützer ist zudem besonders gravierend, dass die Behörden, die für die Genehmigung von Tierversuchsprojekten zuständig sind, diese nur sehr eingeschränkt prüfen dürfen. Ist ein Antrag formal richtig gestellt, muss dieser genehmigt werden. Die Unerlässlichkeit und die ethische Vertretbarkeit darf die Behörde nicht eigenständig und unabhängig von den Angaben und Bewertungen des antragstellenden Wissenschaftlers prüfen. Des Weiteren müssen Tierversuche zur Aus-, Fort- und Weiterbildung in Deutschland nicht wie von der EU vorgesehen genehmigt, sondern den Behörden nur angezeigt werden. Auch die EU-Vorgabe, Ängste zusätzlich zu Schmerzen, Leiden und Schäden in die Liste der möglichen Formen der Beeinträchtigung von Versuchstieren aufzunehmen, hat Deutschland bislang nicht erfüllt.

Positive Halbjahresbilanz beim Tierschutzlabel - Verfügbarkeit steigt bundesweit an

23.07.2018

Das Tierschutzlabel "Für Mehr Tierschutz" für die Eingangsstufe (ein Stern) und für die Premiumstufe (zwei Sterne).

(korrigierte Version vom 30.07.2018)

Der Deutsche Tierschutzbund zieht für das erste Halbjahr 2018 ein positives Fazit für das Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ und blickt optimistisch in die zweite Jahreshälfte: über 240 landwirtschaftliche Betriebe, mehr Vertriebspartner und 30 Markenlizenznehmer belegen den Wachstumstrend für das zweistufige Label und sorgen dafür, dass immer mehr Tiere von besseren Haltungsbedingungen profitieren.  

Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe (124) sind für die Premiumstufe des Tierschutzlabels zertifiziert. Das heißt, dass den Tieren in diesen Betrieben ein Auslauf ins Freie dauerhaft zur Verfügung steht. Aber auch die Tiere in der Einstiegsstufe haben mit mehr Platz und mehr Beschäftigungsmaterial substantielle Vorteile gegenüber konventionell gehaltenen Artgenossen.  

Im ersten Halbjahr ist mit der Schwarzwaldhof Fleisch und Wurstwaren GmbH ein neuer Vermarkter für Schweinefleisch hinzugekommen, der Wurstsalat der Premiumstufe bei EDEKA Südwest anbieten wird. Bis Jahresende kommen noch weitere Molkereien und Packstellen hinzu, so dass die Verfügbarkeit von Milch und Molkereiprodukten und Eiern voranschreitet. So hat unter anderem die REWE Group angekündigt bis zum Jahresende Produkte mit dem Tierschutzlabel ins Sortiment aufzunehmen. Zudem baut Lidl die Verfügbarkeit der Weidemilch mit der Premiumstufe des Labels weiter aus: Ab Ende Juli im Norden Nordrhein-Westfalens und Umgebung erhältlich. Bis Ende des Jahres 2018 will Lidl das Angebot auf Nord- und Ostdeutschland ausweiten.   

Verbraucher*innen finden Produkte mit dem Tierschutzlabel in folgenden Regionen:

Schweinefleischprodukte als Frischfleisch und als abgepackte SB-Ware  mit dem Tierschutzlabel in der Premiumstufe gibt es aktuell bei EDEKA Südwest unter der Marke „Hofglück“ sowie bei Scheck-In, Marktkauf und E-Center. Außerdem als SB-Ware bei EDEKA Minden-Hannover unter der Marke „Bio Janssen“. Schweinefleischprodukte mit dem Tierschutzlabel in der Einstiegsstufe sind zudem bei famila und Netto erhältlich. 

Hähnchenprodukte mit dem Tierschutzlabel der Einstiegsstufe gibt es als SB-Ware bei real, NETTO, Hit, famila Neumünster, Edeka Minden, Edeka Süd, Edeka Südwest, Edeka Vallhun, Aldi Nord und Süd sowie Lidl. Die Produkte werden unter verschiedenen Marken angeboten, so etwa unter Privathof, Landfrisch, Ein Gutes Stück Bayern oder Fair & Gut.  

Milch, Rahmjoghurt, Speisequark, Sahne, Butter und Brotzeitkäse mit dem Tierschutzlabel der Premiumstufe ist derzeit bei Lidl in Bayern unter der Marke „Ein Gutes Stück Bayern“ verfügbar. Bei Aldi Süd im Großraum Stuttgart Bio-Milch in der Premiumstufe sowie bei Aldi Nord Weidemilch in der Premiumstufe von der Osterhusumer Meierei. Milch der Einstiegsstufe wird nahezu bundesweit unter „Einfach Regional“ (Aldi Süd), Milfina Landmilch (Aldi Süd), Meierkamp (Aldi Nord) und Milbona (Lidl) vermarktet.  

Eier mit dem Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ gibt es mittlerweile in verschiedenen Regionen bei EDEKA Südwest, Famila, Globus, Hit, Lidl und real,-.

Einsatz von Herdenschutzhunden - Verbände fordern Rechtssicherheit

12.07.2018

Ein Bündnis aus neun Landwirtschafts-, Natur- und Tierschutzverbänden, darunter der Deutsche Tierschutzbund, veröffentlicht einen Entwurf zur Reform der Tierschutz-Hundeverordnung. Die Verbände wollen den Einsatz von Herdenschutzhunden rechtssicher machen, ohne das Wohl der Hunde zu gefährden.

„In den deutschen Wolfsgebieten sind Herdenschutzhunde angesichts der Rückkehr des Wolfes für viele Betriebe unersetzlich geworden, weshalb ihr Einsatz rechtssicher möglich sein muss“, so die Verbände. Obwohl Herdenschutzhunde bewährte „Mitarbeiter“ vieler Schäferinnen und Schäfer sind, werde ihr Einsatz durch das geltende Tierschutzrecht unnötig behindert. Es schreibt selbst auf Naturschutzflächen teure Schutzhütten vor, die von den Hunden oft nicht genutzt werden. Auch die Haltung der Hunde hinter Stromzäunen ist verboten, obwohl sie den Herdentieren zusätzlichen Schutz bieten, gerade vor Wölfen.

Der Bundestag hat die Bundesregierung am 28. Juni zur Anpassung der Tierschutz-Hundeverordnung aufgefordert. Die Verbände machen dafür gemeinsame Vorschläge: Anstelle des Hüttenzwangs soll vorgeschrieben werden, dass Herdenschutzhunde ausreichend Möglichkeiten des Witterungsschutzes vorfinden müssen, beispielsweise durch Büsche, Bäume oder andere Unterstände. Auch die Haltung hinter stromführenden Zäunen soll während ihrer „Arbeitszeit“ erlaubt werden. Allerdings nur, sofern die Tiere genug Raum haben, um Abstand zu den Einfriedungen halten zu können. Im Einsatz auf weitläufigen Weiden ist dies gut möglich. Die Anbindehaltung soll dagegen für Herdenschutzhunde verboten werden.

Hintergrund: Im Einsatz für den Herdenschutz
Ausgebildete Herdenschutzhunde schützen ihre Herde, auch gegen Wölfe. Sie sind aber nicht für jeden Betrieb und jede Fläche geeignet. Herdenschutzhunde werden seit Generationen darauf gezüchtet, selbständig mit Nutztieren in der Natur zu leben. Sie sind unabhängige und robuste Individuen. Mit Kälte etwa kommen sie gut zurecht, indem sie sich gegenseitig oder in der Herde wärmen. Ihre Haltungsansprüche lassen sich nicht direkt mit denen von Hunden in Privathaushalten vergleichen.

Jeder Herdenschutzhund kostet einen Weidetierhalter nach Angabe der Verbände etwa 2.500 Euro im Jahr. Dazu kommen Aufwendungen für die Anschaffung und den Unterhalt von wolfsabweisenden Zäunen. Die ertragsschwache und ökologisch bedeutsame Weidetierhaltung kann und sollte diese Kosten nicht alleine tragen. Neben vollkostendeckenden Beihilfen zum Herdenschutz fordern die Verbände daher schon länger gemeinsam den unkomplizierten Ausgleich von Tierverlusten bei Wolfsübergriffen auf geschützte Weidetiere und einheitliche Regelungen zum Umgang mit auffälligen Wölfen. Auch ein Kompetenzzentrum Herdenschutz werde dringend benötigt, um die Entwicklung von Praxis und Technik voranzubringen.

Folgende Verbände haben sich an dem Entwurf beteiligt:
Bundesverband Berufsschäfer (BVBS), Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Deutscher Grünlandverband (DGV), Deutscher Tierschutzbund (DTSchB), International Fund for Animal Welfare (IFAW), Naturschutzbund Deutschland (NABU), Vereinigung der Freizeitreiter – und Fahrer in Deutschland (VFD), Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde (AGHSH), WWF Deutschland

Fußball-WM in Russland: Tierschützer befürchten Tötung von Straßenhunden

18.06.2018

Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft hat man in den Austragungsorten in Russland offenbar bereits viele Straßenhunde eingefangen und in städtischen Tierheimen oder anderen provisorischen Einrichtungen untergebracht. Tierschützer vor Ort befürchten nun, dass die Tiere nach der WM, ab Mitte Juli, getötet werden – so ein Bericht von „Spiegel TV“. Der Deutsche Tierschutzbund hatte sich bereits im Vorfeld der WM an die zuständigen Politiker und Behörden gewandt und einen tierschutzgerechten und nachhaltigen Umgang mit den Tieren gefordert. Nun appelliert der Verband erneut dafür, keine Hunde zu töten, sondern Projekte nach dem Prinzip „Einfangen, Kastrieren, Freilassen“ umzusetzen.

„Die Tötung von Straßentieren ist nicht nur äußerst grausam, sondern zudem auch sinnlos, denn ihre Zahl sinkt dadurch nicht langfristig“, erklärt Andrea Furler-Mihali, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Die Population verringert sich zwar zunächst durch die Tötungen, erreicht aber relativ schnell wieder ihren Ausgangswert, da die getöteten Tiere Platz für neue machen. „Aktuell hört man aus Russland, dass ein Großteil der Straßentiere „nur“ eingesperrt wird – oft in kleinsten Käfigen und unter elenden Bedingungen. Allerdings bleibt die Frage, was mit ihnen nach der WM passiert. Wir fordern die Verantwortlichen zu einem tiergerechten Umgang auf und hoffen, dass der öffentliche Protest zu einem Umdenken bewegt.“

Appell an Verantwortliche in Russland

Der Deutsche Tierschutzbund hatte sich im Vorfeld der WM bei der Duma, dem russischen Unterhaus sowie beim deutschen Botschafter der Russischen Föderation, Rüdiger von Fritsch, und dem Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland, Sergej J. Netschajew, für die Straßentiere stark gemacht und Unterstützung angeboten. Die Deutsche Botschaft hatte angekündigt, die entsprechenden Stellen in Russland auf die Problematik aufmerksam zu machen. Die Tierschützer haben zudem alle elf Austragungsorte angeschrieben und ihren Appell direkt an die Verantwortlichen vor Ort gerichtet. Die Rückmeldungen waren jedoch ernüchternd: Vier Austragungsorte gaben an, dass Straßenhunde „nur“ eingefangen und weggesperrt werden, während eine Stadt angab, eingefangenen Tiere „human zu euthanasieren“, weil sie eine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung darstellen würden. Alle fünf haben abgelehnt, dass auf ihrem Gebiet Hunde auf offener Straße und „inhuman“ getötet werden. Von den sechs anderen Austragungsorten blieb eine Rückmeldung jedoch aus. Es kann damit nicht ausgeschlossen werden, dass bereits Straßentiere im Vorfeld der WM ihr Leben lassen mussten.

Wohin mit dem Haustier im Urlaub?

14.06.2018

Wenn in den kommenden Tagen und Wochen die Sommerferien beginnen, stehen viele Tierhalter vor der Frage, wer das Tier im Urlaub betreuen kann. Der Deutsche Tierschutzbund gibt Tipps zur Urlaubszeit und hilft – gemeinsam mit seinen Mitgliedsvereinen - mit der Aktion „Nimmst du mein Tier, nehm’ ich dein Tier“ Tierhalter und mögliche Betreuer zusammenzubringen.

„Während Hunde durchaus mit auf die Reise gehen können, sollten Katzen und kleine Heimtiere am besten in ihrer gewohnten Umgebung versorgt werden“, rät Dr. Moira Gerlach, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. „Am besten man erkundigt sich möglichst frühzeitig bei Familie, Freunden oder Nachbarn. Im besten Fall besteht schon ein Vertrauensverhältnis zwischen Tier und Betreuer, ansonsten sollten beide die Möglichkeit haben, sich vorab kennenlernen.“ Wer im Internet nach einem Tiersitter sucht, sollte mit diesem vorab ein ausführliches Gespräch führen und ein erstes Kennenlernen vereinbaren. Wichtig ist, dass ein Tiersitter im Umgang mit der jeweiligen Tierart vertraut ist, im besten Fall eine Sachkunde nachweisen kann. Wer die Unterbringung in einer Tierpension in Erwägung zieht, sollte sich die Einrichtung vorab genau anschauen. Tipps zur Beurteilung von Tierpensionen gibt der Deutsche Tierschutzbund auf seiner Website.

Urlaubsaktion bringt Tierfreunde zusammen
Wer sich als Frauchen oder Herrchen auf Zeit anbieten will oder einen Betreuer für sein Tier sucht, kann sich auch an der Aktion „Nimmst du mein Tier, nehm’ ich dein Tier“ beteiligen, bei der sich Tierfreunde im Wechsel um ihre Lieblinge kümmern. Noch bis zum 9. September erfahren Interessierte über die Urlaubs-Hotline des Deutschen Tierschutzbundes unter 0228-60496-27 (Mo.-Do. 10-15 Uhr, Fr. 10-12 Uhr), welcher Tierschutzverein sich aus der eigenen Region an der Aktion beteiligt. Die Vereine vor Ort vermitteln dann die Kontakte zu anderen Tierfreunden. Unterstützt wird die Aktion von den Marken Whiskas und Pedigree, die sich seit vielen Jahren als Partner engagieren.

Mit dem Hund in den Urlaub
Wer den Hund mit in den Urlaub nimmt, sollte bei Fahrten mit dem Auto ausreichend Pausen einlegen. Lange Flüge, bei denen der Hund im Frachtraum ausharren müsste, sollte man dagegen vermeiden. Ob der Hund im Hotel, Ferienhaus oder auf dem Campingplatz willkommen ist, muss unbedingt im Vorhinein geklärt sein. Für Reisen innerhalb der EU muss der Hund geschippt sein, zudem sollte man ihn im Haustierregister FINDEFIX registrieren. Außerdem braucht er einen EU-Heimtierausweis und eine gültige Tollwutimpfung. In anderen Ländern kann es weitere Auflagen geben, die es zu beachten gilt. Zu empfehlen ist auch ein Parasitenschutz, um Krankheiten vorzubeugen, vor allem bei Reisen in südliche und südöstliche Länder. Hierzu sollte man sich im Vorfeld beim Tierarzt beraten lassen.

Mehrheit der Hunde und Katzen bisher nicht registriert

Registrier dein Tier

06.06.2018

Mit dem Motiv und dem Slogan „Lass Deine Katze nicht einfach verschwinden.“ macht der Deutsche Tierschutzbund auf die Wichtigkeit der Registrierung aufmerksam.

Mehr als die Hälfte (54 Prozent) aller Hunde und Katzen sind nicht in einem Haustierregister registriert – das zeigt eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Deutschen Tierschutzbundes*. Wird ein vermisstes Tier von einem Finder aufgegriffen oder landet im Tierheim, ist es jedoch ohne Kennzeichnung und Registrierung schwierig, den Halter ausfindig zu machen. Darauf weist der Deutsche Tierschutzbund hin und fordert alle Tierhalter auf, ihre Tiere registrieren zu lassen. Der Verband hat dazu die Kampagne #RegistrierDeinTier (www.registrier-dein-tier.de) gestartet.

„Es kommt immer wieder vor, dass Katzen nicht wie gewohnt nach Hause kommen oder dass sich Hunde losreißen und auch auf Rufen nicht zurückkehren“, sagt Andrea Furler-Mihali, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. „Wir können nur appellieren: Lassen Sie Ihr Tier nicht einfach verschwinden. Schützen Sie es mit einer Kennzeichnung und Registrierung, damit es im Fall der Fälle identifiziert werden kann und möglichst schnell wieder nach Hause kommt.“

Fehlende Registrierung erschwert die Heimkehr des Tieres
Damit ein Tier in einem Haustierregister registriert werden kann, muss es zunächst unverwechselbar gekennzeichnet werden. Der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt die Kennzeichnung durch einen reiskorngroßen Transponder, den der Tierarzt unter die Haut des Tieres setzen kann. Möglich ist dies bei Hunden und Katzen, aber auch bei Kleintieren, wie Kaninchen, sowie bei Pferden. Bei Ziervögeln ist die Kennzeichnung über einen Ring am Fuß möglich. „Unsere Erfahrung zeigt, dass die Tiere zwar oft gekennzeichnet sind, im Anschluss aber die ebenso wichtige Registrierung nicht vorgenommen wird“, sagt Furler-Mihali. Letztlich ist der Halter selbst dafür verantwortlich, dass er die auf dem Chip gespeicherte 15-stellige Nummer bzw. die Ringnummer zusammen mit weiteren Daten zum Tier und dem eigenen Kontakt in einem Haustierregister hinterlegt. Dies geht bei FINDEFIX, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, einfach und kostenfrei auf www.findefix.com oder mit einem schriftlichen Anmeldebogen. Der Tierhalter erhält im Anschluss per Post eine Bestätigung mit allen wichtigen Unterlagen. Hundehalter bekommen zusätzlich eine Plakette für das Hundehalsband. „Nur die Kombination dieser zwei einfachen Maßnahmen – Kennzeichnung und Registrierung - kann sicherstellen, dass ein entlaufenes Tier und sein Besitzer schnell wieder zusammen finden“, so Furler-Mihali.

* Quelle: Umfrage des Bonner Marktforschungsanbieters OmniQuest im Auftrag des Deutschen Tierschutzbundes (2018)

RegistrierDeinTier - Deutscher Tierschutzbund startet neue Kampagne

16.05.2018

Mit dem Motiv und dem Slogan „Lass Deine Katze nicht einfach verschwinden.“ macht der Deutsche Tierschutzbund auf die Wichtigkeit der Registrierung aufmerksam.

Mit der heute startenden Kampagne #RegistrierDeinTier appelliert der Deutsche Tierschutzbund an Tierhalter, das eigene Haustier registrieren zu lassen. Jedes Jahr verschwinden tausende Katzen und Hunde spurlos. Selbst wenn sie von Tierfreunden gefunden und im Tierheim abgegeben werden, ist es ohne Kennzeichnung und Registrierung schwierig, den Halter ausfindig zu machen. Neben den Haltern sehen die Tierschützer aber auch die Politik in der Verantwortung und fordern eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht. Alle Informationen zur Kampagne finden Interessierte auf www.registrier-dein-tier.de.

„Lassen Sie Ihr Haustier kennzeichnen und registrieren, damit es nicht einfach verschwindet, sondern im Fall der Fälle identifiziert werden und nach Hause zurückkehren kann“, appelliert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Neben den Tierhaltern ist aber auch die Politik gefragt, unsere Haustiere besser zu schützen – wir fordern daher mit einer Petition eine bundesweite Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht.“

Jeder Zweite hat sein Tier schon mal vermisst
Knapp die Hälfte aller Haustierbesitzer berichtet davon, dass ihr Tier schon mal weggelaufen oder länger nicht nach Hause gekommen ist*. Jeder kennt die Angst, wenn der Hund sich losreißt und verschwunden bleibt oder die Katze nicht zur gewohnten Zeit nach Hause kommt. Insbesondere Besitzer von Katzen, dem beliebtesten Haustier der Deutschen, kennen dieses Problem. Bei den Vermisstmeldungen, die bei FINDEFIX, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, eingehen, handelt es sich bei 88 Prozent um vermisste Katzen. „Es kommt vor, dass neugierige Katzen in Kleintransporter oder andere Fahrzeuge springen und so unbemerkt kilometerweit transportiert werden“, erklärt Andrea Furler-Mihali, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. „Manche gehen auch nur auf „Wanderschaft“ und finden nicht mehr nach Hause. Insbesondere wenn die Katze an einem weiter entfernten Ort aufgegriffen ist, ist eine Zuordnung zum Besitzer kaum noch möglich. Kennzeichnung und Registrierung sind hier die einzige Chance.“

Registrierung wird oft vergessen
Während die Kennzeichnung des Tieres mittels eines Transponders, der vom Tierarzt gesetzt wird, oftmals noch vorgenommen wird, vergessen viele Tierhalter die Registrierung. Ohne Registrierung lässt sich die auf dem Transponder gespeicherte 15-stellige Nummer jedoch keinem Besitzer zuordnen. Der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt die kostenfreie Registrierung bei FINDEFIX. Das Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes besteht seit über 35 Jahren und ist eng vernetzt mit den mehr als 740 dem Verband angeschlossenen Tierschutzvereinen und deren rund 550 Tierheimen.

* Quelle: Umfrage des Bonner Marktforschungsanbieters OmniQuest im Auftrag des Deutschen Tierschutzbundes (2018)

Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes zu Fundtierkosten - Herber Rückschlag für den Tierschutz in Deutschland

26.04.2018

Motiv der Kampagne "Tierheime helfen. Helft Tierheimen!"

Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) hat heute in letzter Instanz entschieden, dass Tierheime ohne entsprechende Verträge mit den Kommunen, Fundtierkosten nur dann erstattet bekommen, wenn die Tiere vorher im Fundamt abgegeben wurden. Das Gericht zwingt damit die Tierheime, Fundtiere abzuweisen und Finder zum Rathaus zu schicken. Der Deutsche Tierschutzbund und zwei seiner Mitgliedsvereine, der Tierschutzverein Rosenheim und der Tierschutzverein für den Landkreis Cham, sind damit vor dem BVerwG gegen drei Urteile des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes gescheitert. Das Gericht hat damit eine historische Chance verpasst, eine praxisnahe Auslegung zugunsten der Tiere und im Sinne des Staatsziels Tierschutz zu treffen. Das Urteil dürfte für bundesweites Chaos in den Kommunen sorgen. Der Deutsche Tierschutzbund rät nun allen Kommunen einen fairen Fundtierkostenvertrag mit einem seriösen Tierheim abzuschließen, um zu verhindern, dass aus einer ungeklärten Betreuungslage Tierleid entsteht. Nur so hätten Kommunen, Tierheime und letztlich auch die Finder Sicherheit. Gleichzeitig ist der Gesetzgeber gefordert einen bundeseinheitlichen Rahmen zu schaffen, in dem sich diese Verträge bewegen.

„Das Urteil ist ein herber Rückschlag sowohl für den praktischen als auch für den Tierschutz insgesamt. Es ist doch weder dem Tier noch dem Finder zuzumuten, zwischen Tierheim und Rathaus zu pendeln“, zeigt sich Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, vom Urteil enttäuscht. Sein Apell: „Bundestag und Bundesregierung müssen nun Farbe bekennen, ob man den praktischen Tierschutz vor Ort fallen lässt oder unterstützt. Wir setzen darauf, dass es um Unterstützung geht. Dann bleibt nur ein Weg: Im Bürgerlichen Gesetzbuch ist klarzustellen, dass eine Kommune für Tiere als Fundsache die volle Verantwortung trägt, egal von wem wo gefunden und von wem wo auf dem Gemeindegebiet abgegeben. Wer das nicht tut, der riskiert als Folge dieses Urteils den Zusammenbruch des praktischen Tierschutzes in der Fläche.“

Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes bedeutet das Urteil im Kern: Jeder der ein Tier findet, muss wissen, ob es in der Kommune einen Vertrag mit dem Tierheim gibt oder nicht, und muss sich dann zum richtigen Ort bewegen. Dies bringt für das Tier ein belastendes „Hin und Her“, denn ein Tierheim ohne Vertrag muss das Tier nach Ansicht der Richter ablehnen und den Finder zum Rathaus weiterschicken. Schröder dazu: „Diese Entwicklung birgt die Gefahr, dass Bürger, die ein Tier finden, lieber gar nichts tun, als sich mit dem bürokratischen Abenteuer auseinanderzusetzen. Wenn Finder die Tiere nicht ins Tierheim bringen, erfahren aber auch Tierbesitzer, die ihr Tier suchen, keinerlei Unterstützung durch das Tierheim. Das Urteil ist praxisfremd, tierschutzfeindlich und letztlich auch ein Rückschlag für jeden Tierbesitzer.“

Hintergrund:
Der Tierschutzverein Rosenheim und der Tierschutzverein für den Landkreis Cham in Bayern hatten geklagt, da ihnen die Gemeinden jeweils die Kostenübernahme für die Versorgung von Fundtieren verweigert hatten. Beide Vereine hatten von Findern unverletzte Katzen im Tierheim aufgenommen und den Behörden unverzüglich eine Fundanzeige geschickt. Das Urteil fiel jedoch im Sinne der Kommunen. Die Tierheime blieben auf den Kosten sitzen.

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) stützte seine Entscheidungen darauf, dass kein Anspruch der Tierschutzvereine aus öffentlich rechtlicher Geschäftsführung ohne Auftrag besteht. Da die Finder die Tiere jeweils direkt im Tierheim – und nicht bei der Behörde - abgeliefert hatten, besteht laut BayVGH seitens der Fundbehörde weder eine Handlungs- noch eine Verwahrungspflicht. Gleiches gilt auch dann, wenn das Tierheim den Fund sofort bei der Behörde anzeigt und diese sich daraufhin nicht äußert. Schweigen sei keine Zustimmung der Fundbehörde, die Verantwortung für das Tier zu übernehmen, so der BayVGH. Weiter sei es dem Finder zuzumuten, ein unverletztes Tier bei der Behörde abzuliefern. Auch unter Berücksichtigung des Tierschutzrechts kam der BayVGH zu keinem anderen Ergebnis. Eine Möglichkeit, die fundrechtlichen Vorschriften – die auch für Tiere gelten - entgegen ihrem eindeutigen Wortlaut auszulegen, bestehe nicht.

Kröten wandern wieder: Vorsicht und Mithilfe sind gefragt

16.03.2018

Sobald es in den kommenden Tagen etwas wärmer wird, werden sich Kröten und andere Amphibien wieder auf Wanderschaft zu ihren Laichplätzen begeben. Da die Tiere auf ihrem Weg oftmals Landstraßen überqueren müssen, werden sie vielfach Opfer des Verkehrs. Der Deutsche Tierschutzbund bittet daher Auto- und Motorradfahrer um Vorsicht. Damit die Tiere eine Chance haben, sollte man vor allem in der Dämmerung und nachts auf Strecken mit Amphibienwanderungen nicht schneller als Tempo 30 fahren, rät der Deutsche Tierschutzbund.

„Sobald die Temperaturen steigen, rechnen wir für ein paar Wochen mit sogenannten Massenwanderungen“, erklärt Denise Ade, Referentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Millionen Amphibien – Kröten, Frösche und Molche – verlassen dann ihre Winterquartiere und machen sich oft zeitgleich auf den Weg, um ihre gewohnten Gebiete zum Ablaichen aufzusuchen. „Meist sind die Tiere in verregneten und frostfreien Nächten unterwegs, in der Regel ab Einbruch der Dämmerung und bis circa Mitternacht“, weiß Ade.

Das immer dichter werdende Straßennetz bedeutet Lebensgefahr für die wandernden Tiere. In hohem Maße betroffen sind Frösche und Kröten, vor allem Erdkröten, die in großer Zahl unterwegs sind. Auch wenn die Tiere nicht direkt überfahren werden, kann sie der Strömungsdruck der Fahrzeuge töten: Dieser bringt die Blutgefäße der Tiere zum Platzen. „Daher ist es besonders wichtig, beim Auto- oder Motorradfahren die Geschwindigkeit zu reduzieren, wenn Amphibien auf Wanderschaft sind“, sagt Ade.

Tierschutz-Einsatz bei Krötenwanderungen
Besonders von Krötenwanderungen betroffene Straßen werden vereinzelt gesperrt. An manchen Stellen helfen Krötentunnel oder –brücken den Tieren bei der sicheren Überquerung der Straßen. Andernorts sind Tierschützer im Einsatz, die Krötenzäune errichten, diese kontrollieren und die Tiere in Auffangeimern über die Straße tragen. Den vielen ehrenamtlichen Tierfreunden verdanken hunderttausende Amphibien ihr Weiterleben und die Chance, für Nachwuchs zu sorgen. Diesen wichtigen Beitrag zum Artenschutz kann jeder leisten. Interessierte können sich beispielsweise beim örtlichen Tier- oder Naturschutzverein melden.

Aber auch als Gartenbesitzer kann man Schutzquartiere für Amphibien schaffen – in Form von Komposthaufen, Steinhügeln oder Altholzhaufen, in denen sich die Tiere gern verkriechen. Ein kleiner Tümpel im Garten bietet Lurchen Laichmöglichkeiten. Keller und Kellerschächte sollten Tierfreunde mit einem Schutzgitter abdichten oder sie regelmäßig auf ungewollt gefangene Amphibien kontrollieren.

Ostern: Deutscher Tierschutzbund rät zu Eiern aus artgerechter Haltung oder veganen Alternativen

14.03.2018

Wer an Ostern den Tierschutz mit im Blick hat, sollte beim Kauf der Ostereier auf Eier aus artgerechter Haltung zurückgreifen. Dazu rät der Deutsche Tierschutzbund. Vorsicht ist bei bereits gefärbten oder verarbeiteten Eiern geboten, denn dort besteht keine Kennzeichnungspflicht. Für den Verbraucher ist also nicht ersichtlich, aus welcher Tierhaltung die Eier stammen. Kennzeichnen Hersteller oder Supermärkte Produkte oder gefärbte Eier nicht freiwillig, besteht Gefahr, dass sie von Hühnern stammen, die in Käfigen leben.

„Vielen Verbrauchern ist nicht bekannt, dass es in Deutschland noch immer Eier aus Käfighaltung gibt – wenn auch nur in verarbeiteten Produkten, etwa in Eierlikör, Nudeln, Gebäck oder Fertigprodukten“, sagt Dr. Esther Müller, Fachreferentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund. Auch bei gekochten, bunt gefärbten Ostereiern ist die Angabe der Haltungsform, anders als bei frischen Schaleneiern, nicht verpflichtend. Dennoch haben viele Handelsunternehmen mittlerweile auf den Druck der Tierschützer und auf den Wunsch vieler Verbraucher reagiert: Wenn man sich in Supermärkten umsieht, machen viele freiwillig eine Angabe zur Haltungsform. Der Großteil der bunten Eier stammt heute aus Bodenhaltung.

Dennoch: Steht nichts Gegenteiliges auf den Verpackungen, so handelt es sich meist um Käfigeier. Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher eine verpflichtende Kennzeichnung mit den Ziffern 0 bis 3, analog zu den frischen Eiern. „Bis dahin appellieren wir, auf nicht gekennzeichnete Produkte zu verzichten und Eier aus artgerechterer Haltung, etwa Bio-Eier oder Eier mit dem Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ zu kaufen und selbst zu färben“, sagt Müller. „Wer den direktesten Weg zu mehr Tierschutz wählt, entscheidet sich bei den Osterleckereien aber am besten für vegane Alternativen.“

Hennen leiden in Kleingruppen-Käfigen
Dreieinhalb Millionen Legehennen in Deutschland leben nach wie vor in sogenannten Kleingruppen-Käfigen. Neun Prozent der in Deutschland produzierten Eier stammen aus dieser Haltungsform, hinzu kommen importierte Käfigeier aus dem Ausland. Die Tiere haben dort nur etwas mehr Platz als eine DIN-A4-Seite. In der drangvollen Enge können sich die Hennen kaum bewegen. Zwar sind die Kleingruppen-Käfige mit Sitzstangen, einer Art Nest und einem kleinen Platz zum Sandbaden und Scharren ausgestattet. Diese Einrichtungen können die Tiere aufgrund des Platzmangels aber gar nicht nutzen. Damit treten die gleichen Probleme wie in den mittlerweile verbotenen Käfigbatterien auf – die Hennen leiden an Stress, Verhaltensstörungen sowie Verletzungen. Erst ab 2025, mit Ausnahmen erst ab 2028, ist die Haltung in Kleingruppen-Käfigen gesetzlich verboten.

Tiere im Winter: Tipps für die Kälte

27.02.2018

Bei den aktuell eisigen Temperaturen brauchen auch unsere Haustiere Schutz vor der Kälte. Obwohl die meisten niedrige Temperaturen besser vertragen, als es die Besitzer denken, können Tierfreunde Vorkehrungen treffen, damit ihre Tiere gut über die kalten Wintertage kommen. Bei Wildtieren ist die Sorge unbegründet – diese kommen in der Regel gut mit der Kälte zurecht.

„Hunde und Katzen sind durch ihr wärmendes Fell gut vor der Kälte geschützt“, sagt Lea Schmitz, Pressesprecherin beim Deutschen Tierschutzbund. „Im Idealfall entscheiden sie selbst, wie oft und wie lange sie sich draußen im Kalten aufhalten.“ Katzenbesitzer sollten daher darauf achten, dass Freigänger-Katzen jederzeit wieder zurück ins Haus kommen können. Für draußen ist eine zusätzliche Thermohütte sinnvoll. Spaziergänge mit Hund sollten eher kürzer ausfallen, dafür sollte man öfter raus. Nur kranke Hunde oder Tiere mit kurzem, lichtem Fell brauchen gegebenenfalls einen artgerechten, gut sitzenden Mantel oder Pullover. Schuhe oder Socken sollten Hunde nur tragen, wenn ein Tierarzt dies angeordnet hat. Ansonsten reicht es, Hundepfoten zum Schutz vor Streusalz mit Melkfett oder Vaseline einzureiben und nach dem Gassigehen mit lauwarmem Wasser abzuspülen. Kaninchen und Meerschweinchen, die im Freien gehalten werden, sollten die Möglichkeit haben, sich in einen frostfreien Unterschlupf zurückzuziehen. Kranke Tiere sollten im Winter nach drinnen, ältere und untergewichtige Tiere müssen beobachtet werden. Goldfische können draußen überwintern, wenn der Teich mindestens 80 Zentimeter tief ist und nicht komplett zufriert, damit ausreichend Sauerstoffzufuhr besteht.

Wildtiere sind gut gewappnet
Bei Wildtieren ist die Sorge bei niedrigeren Temperaturen meist unbegründet. Rehe können etwa bei starker Kälte ihren Stoffwechsel herunterfahren und Füchse kommen aufgrund ihres wärmenden Winterfells mit eisigen Temperaturen gut zurecht. Vögel schützen sich unter anderem, indem sie ihr Gefieder aufplustern; Wasservögel haben eine isolierende Unterhautfettschicht. In harten Wintern oder bei zu wenig natürlichem Nahrungsangebot kann jedoch, zum Beispiel bei Vögeln oder Eichhörnchen, eine Zufütterung mit artgerechtem Futter helfen, zusätzliche Energie zum Schutz gegen die Kälte zu liefern.

Tierschutzplan Brandenburg kommt

01.02.2018

Der Tierschutzplan Brandenburg wird umgesetzt – so entschied heute das Plenum des Brandenburger Landtags über den entsprechenden Antrag von SPD, den Linken und der CDU. Ein Umsetzungskonzept soll bis Ende 2018 vorgelegt werden. Auch soll der Tierschutzplan regelmäßig evaluiert und fortgeschrieben werden, Interessensgemeinschaften sind weiter einzubeziehen. Der Deutsche Tierschutzbund und sein Landestierschutzverband Brandenburg begrüßen den Tierschutzplan. Gleichzeitig appellieren die Tierschützer dafür, dass Pläne einzelner Bundesländer in einer nationalen Nutztierstrategie aufgehen müssen.

„Brandenburg geht – ebenso wie Niedersachsen– mit gutem Beispiel voran. Der Tierschutzplan muss auf jeden Fall umgesetzt und auch weiter fortgeschrieben werden. Nichtsdestotrotz brauchen wir auf nationaler Ebene eine einheitliche und umfassende Tierschutzstrategie und Umsetzung, um föderale Insellösungen und paralleles Arbeiten zu vermeiden. Dazu müssen die bestehenden Initiativen zusammengeführt werden“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Der Tierschutzplan ging aus der Volksinitiative gegen tierschutzwidrige Massentierhaltung hervor, die vom Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg initiiert wurde, in dem auch der Landestierschutzverband Brandenburg des Deutschen Tierschutzbundes Träger ist. Der Landtag hatte mit einem Beschluss im April 2016 die Landesregierung beauftragt, unter Beteiligung der Interessenverbände und der Wissenschaft, einen Tierschutzplan zu erarbeiten. Der offiziell im Dezember 2017 übergebene Tierschutzplan enthält rund 130 konkrete Maßnahmenvorschläge, um das Management und die Haltung von Schweinen, Rindern, Puten, Legehennen, Masthühnern und Pferden zu optimieren. Zudem nennt er Handlungsempfehlungen zur Reduzierung von Umweltauswirkungen und des Arzneimitteleinsatzes.

Der Deutsche Tierschutzbund war über seinen Landestierschutzverband Brandenburg an der Ausarbeitung des Tierschutzplans beteiligt. „Positiv ist, dass etwa der Zielkonflikt zwischen Umwelt- und Tierschutz angegangen und ein Ausstieg aus dem routinemäßigen Schwanzkupieren bei Schweinen vereinbart werden soll“, bewertet Renate Seidel, Vorsitzende des Landestierschutzverbands Brandenburg den Tierschutzplan. „Manche Punkte enthalten dagegen zurzeit nur vage Absichtserklärungen ohne konkrete Fristen und Maßnahmen – zum Beispiel, wenn es um Haltungsverbesserungen zur Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes bei Mastgeflügel geht. Daher ist es umso wichtiger, dass die im Plan enthaltenen Maßnahmen mit konkreten Zeit- und Kostenplänen versehen werden.“

5 Jahre Tierschutzlabel "Für mehr Tierschutz"

19.01.2018

Das Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes ist seit fünf Jahren auf dem Markt. Insgesamt halten heute über 200 Betriebe ihre Tiere - Mastschweine, Masthühner, Legehennen und Milchkühe - unter den Kriterien des Tierschutzlabels. Entsprechende Produkte sind bei mittlerweile 19 Handelsunternehmen - teils bundesweit und teils in immer größeren Regionen - zu finden. Trotz bestehender Herausforderungen, etwa im Hinblick auf Markt- und Strukturfragen, entwickelt sich das Labelprogramm sehr positiv und wächst stetig.

„Der Wunsch - wenn nicht sogar die Forderung - der Verbraucher nach mehr Tierschutz in der landwirtschaftlichen Tierhaltung ist stärker denn je“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Die Politik hat es bis heute nicht geschafft, gesetzlich geregelte Verbesserungen für die Tiere zu schaffen, geschweige denn eine solide Tierschutzkennzeichnung zu etablieren. Initiativen der Branche, wie die Initiative Tierwohl, sind aus Tierschutzsicht gescheitert. Deshalb gehen wir unseren Weg mit dem Tierschutzlabel weiter – um jetzt und sofort die Situation der Tiere zu verbessern und ein spürbares Mehr an Tierschutz zu realisieren.“

Grundpfeiler des Labelprogramms sind Tierschutzstandards, die zu wissenschaftlich erwiesenen Verbesserungen für die Tiere führen, wie etwa ein deutlich erhöhtes Platzangebot,geeignete Beschäftigungsmaterialien in ausreichenden Mengen,Strukturierung der Haltungsumgebung und im Premiumstandard Kontakt zu Außenklima. Die Einhaltung der Standards wird in unangekündigten Kontrollen durch unabhängige Zertifizierungsgesellschaften überprüft.

Entwicklung positiv, Herausforderungen bleiben
Insbesondere zufrieden ist der Verband mit dem Tierschutzlabel in der Premiumstufe für Mastschweine, der Entwicklung im Bereich der Legehennen und dem soliden Angebot im Bereich der Masthühner. Das Label für Milchkühe ist vor einem Jahr erfolgreich angelaufen und entwickelt sich ebenfalls sehr vielversprechend. Im kommenden Jahr rechnet der Deutsche Tierschutzbund mit einer erheblichen Steigerung bei der Zahl der teilnehmenden Betriebe.

Der Ausbau der Einstiegsstufe Schwein stagniert weiterhin, weil die Umstellung von konventionellen Warmställen mit Vollspaltenböden auf eine tiergerechtere Haltung sowie auch die Problematik des Schwanzbeißens nach wie vor herausfordernd bleiben. Auch die Realisierung kurzer Transportwege ist aufgrund der dezentralen Strukturen bisweilen schwierig. Zwar ist die Marktdurchdringung nach wie vor noch eher gering, aber immer mehr Handelsunternehmen bekennen sich zum Tierschutzlabel und das Angebot wächst stetig.

Hintergrund Tierschutzlabel:
Die Entwicklung des Tierschutzlabels stand von Anfang an auf einem breiten wissenschaftlichen Fundament. Die ersten Grundlagen wurden an der Universität Göttingen, in der Initiativgruppe „Tierwohl-Label“,erarbeitet. Mit der Übernahme der Trägerschaft für das Label durch den Deutschen Tierschutzbund 2011 nahm auch der Labelbeirat – bestehend unter anderem aus Vertretern der Wissenschaft, der Landwirtschaft, der Vermarkter, des Handels – seine begleitende Tätigkeit auf. Die Erarbeitung der Standardsetzung erfolgt in Facharbeitsgruppen, die - wie der Beirat - aus Experten aller betreffenden Interessensgruppen bestehen. Das Tierschutzlabel wird auch mit Forschungsprojekten und Studien in seiner Entwicklung begleitet.

Handelsunternehmen, die Produkte mit dem Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ führen:

  • ALDI Nord
  • ALDI SÜD
  • EDEKA (Regionalgesellschaften Minden-Hannover, Nord, Nordbayern-Sachsen-Thüringen, Rhein-Ruhr, Südbayern, Südwest)
  • Famila
  • Globus
  • Hit
  • Kaufland
  • Konsum Leipzig
  • Lidl
  • Metro
  • Netto
  • Norma
  • real,-, 
  • REWE Karstadt

weitere Pressemitteilungen des Deutschen Tierschutzbundes